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Sicherheitsbranche – Schwarzarbeit auf dem Vormarsch

Sicherheitsbranche schwarzarbeit

Berichte über Schwarzarbeit in der Sicherheitsbranche mehren sich. Das Berliner LKA gibt alarmierende Zahlen bekannt. Warum wird Schwarzarbeit in Securityfirmen zunehmend zu einem Problem? Erfahren Sie mehr über das Ausmaß der Schwarzarbeit, ihre Ursachen und den Einfluss der organisierten Kriminalität.

Schwarze Schafe in der Sicherheitsbranche

Im Jahr 2019 stimmte der Bundesrat einem Gesetz zu, das die Befugnisse der Finanzkontrolle bezüglich Schwarzarbeit ausweitete. Es ist seitdem ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit, Scheinarbeit oder vorgetäuschte Selbstständigkeit, Menschenhandel und Arbeitsausbeutung aufzudecken. Umfangreiche Ermittlungen der Finanzkontrolle in Sicherheitsunternehmen legen nahe, dass das Thema auch in der Sicherheitsbranche an Bedeutung gewinnt.

Die Machenschaften betrügerischer Sicherheitsfirmen ähneln sich. Am Markt agierende, aber wirtschaftlich nicht aktive Unternehmen, sogenannte Scheinfirmen, stellen Scheinrechnungen aus, die allein dazu dienen, beim Rechnungsempfänger Betriebsausgaben vorzutäuschen, welche den Gewinn und folglich die Steuerlast mindern. Eine Unterart der Scheinrechnung ist die Abdeckrechnung, mit deren Hilfe der Aufwand für Schwarzlöhne als Betriebsausgabe deklariert und buchhalterisch abgedeckt wird. Auf diese Weise führen die durch schwarzarbeitende Mitarbeiter erwirtschafteten Gewinne nicht zu einer höheren Steuerlast.

Ermittlungserfolge von Zoll und Finanzkontrolle

Im Herbst 2020 meldete die Presse die erfolgreiche Zerschlagung eines Netzwerks aus Scheinfirmen durch die Finanzkontrolle des Hauptzollamts Frankfurt am Main. Über Scheinrechnungen erzielten die vermeintlichen Sicherheitsfirmen einen Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro, woraus sich ein Steuer- und Sozialversicherungsschaden in Höhe von 3,5 Millionen Euro errechnen ließ.

Wegen des Verdachts der Schwarzarbeit wurden Anfang Juni 2021 bundesweite Razzien bei mehreren Sicherheitsfirmen durchgeführt. Die vorläufigen Untersuchungsergebnisse der Finanzkontrolle weisen darauf hin, dass sich der Steuer- und Sozialversicherungsschaden durch nicht ordnungsgemäß gemeldete Mitarbeiter und Umsätze ebenfalls auf mehrere Millionen Euro beläuft.

Erst Ende Juni 2021 ermittelte der Kölner Zoll bei Securityfirmen und stellte Beweismaterial in Köln, Solingen, Bonn und Bad Münstereifel sicher. Gegen zehn Personen wird derzeit wegen des Verdachts der Scheinselbständigkeit ermittelt. Einmal mehr wurden über Scheinrechnungen, die sich die beteiligten Unternehmen gegenseitig ausstellten, im großen Stil Sozialbeiträge und Steuern vorenthalten.

Großes Aufsehen erregten kürzlich Berichte aus Berlin. Das dortige Landeskriminalamt fand heraus, dass 13 von 63 Firmen, die mit der Überwachung der Sicherheit in den Berliner Flüchtlingsunterkünften beauftragt wurden, gegen geltende Gesetze verstießen. Recherchen des RBB-Fernsehens ergaben, dass zwei Netzwerke aus privaten Sicherheitsfirmen nicht nur fachlich mangelhaft ausgebildete Mitarbeiter einsetzten, sondern Scheinrechnungen erstellten, um das Finanzamt und die Sozialkassen zu betrügen.

Welche Ausbildungs- sowie Studiumsmöglichkeiten Sie oder Ihre Mitarbeiter in der Sicherheitsbranche haben, lesen Sie hier:

 

Gründe für den Anstieg der Schwarzarbeit

Der Fall in Berlin löste Empörung aus, weil durch die beauftragten Unternehmen nicht nur ein finanzieller Schaden entstanden ist, sondern auch die Ordnung in den Unterkünften gefährdet war. Solche Vorkommnisse werden zunehmend zum Problem, denn sie schaden dem Image der Sicherheitsbranche und verhindern einen fairen Wettbewerb.

Warum ist aber ausgerechnet in der letzten Zeit ein erheblicher Anstieg von schwarzarbeitendem Sicherheitspersonal zu beobachten?

Schwarzarbeit ist nicht allein die Folge von Profitgier. Sie resultiert auch aus der zunehmenden Bürokratie und einer hohen Steuer- und Abgabenlast, die manchen Unternehmer in die Knie zwingen. Ausufernde Regulierungen für Zeit- und Leiharbeit machen es besonders kleinen Sicherheitsunternehmen schwer, auf schwankende Auftragslagen zu reagieren. Einige Unternehmen halten Aushilfen, die schwarz arbeiten, anscheinend für die Lösung dieses Konflikts, obwohl Schwarzarbeit kein Kavaliersdelikt ist und neue Probleme zur Folge haben kann.

Aktuell ist die Coronakrise der wesentliche Treiber der Schwarzarbeit. Ähnlich wie in der Finanzkrise 2009 zeigt sich, dass die Schattenwirtschaft blüht, wenn die Wirtschaft einbricht. Securityfirmen büßten durch den Stillstand in der Eventindustrie zahlreiche Aufträge ein und haben infolgedessen feste Mitarbeiter abgebaut. Viele Arbeitnehmer zwang die Krise in die Kurzarbeit oder sogar in die Arbeitslosigkeit. Sie versuchen deshalb, ihre Finanzen durch Nebentätigkeiten aufzubessern und sind bereit schwarz zu arbeiten. Arbeitgeber, die Mindestlöhne unterlaufen und indirekt an der Krise verdienen, bewegen sich jedoch strafrechtlich und moralisch auf dünnem Eis.

Dieser Podcast zeigt nochmals sehr gut, wie Schwarzarbeit in der Sicherheitsbranche aussehen kann:

 

Einfluss der organisierten Kriminalität

Der Verdacht erhärtet sich, dass kriminelle Organisationen vermehrt die Sicherheitsbranche als ein Spielfeld für kriminelle Geschäfte, Schwarzarbeit und Geldwäsche nutzen. Die Ermittlungsbehörden stellen fest, dass sie es mit kriminellen Strukturen zu tun haben. Deren illegales Geflecht aus Scheinfirmen, Bevollmächtigten und Strohmännern ist schwer zu durchschauen. Der Zoll nimmt die betroffenen Branchen nunmehr verstärkt ins Visier. Regelmäßige Kontrollen und hohe Geld- und Freiheitsstrafen sollen dazu beitragen, die für die Gesellschaft und alle seriösen Unternehmen schädlichen Aktivitäten dauerhaft zu unterbinden.

Auch bei den Ermittlungen in Frankfurt wurde von der Bildung eines kriminellen Verbundes ausgegangen. Einer der Beteiligten fiel zudem durch enge Kontakte zu den Hells Angels auf. Bei den Vorfällen in Berlin gibt es offenbar Verbindungen ins verbrecherische Berliner Clan-Milieu.

Wer mit Kriminellen Geschäfte macht, macht sich nicht nur strafbar, sondern auch erpressbar. Eine sorgfältige Auswahl von Subunternehmern und Geschäftspartnern ist für ein seriöses Sicherheitsunternehmen deshalb unumgänglich.

 

Bilder: unsplash.com (Flex Point Security)

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