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Stichschutzwesten und stichhemmende Westen – Selbstschutz nicht nur für Profis

Stichschutzwesten sind aufgrund der Tatsache, dass Stich- und Schnittverletzungen häufiger als Schussverletzungen auftreten, sehr beliebt. Diese Westen sind nicht nur bei den Polizisten und bei der Security anzutreffen, auch Notärzte und Rettungssanitäter sowie Privat- und Geschäftsleute schützen sich mit ihnen

Stichschutzwesten – ein Überblick

Die Westen schützen ihren Träger bei Angriffen durch Personen mit dem Messer oder anderen spitzen Gegenständen vor Verletzungen. Des Weiteren minimieren sie den Schweregrad bei eventuell entstandenen Wunden. Bei den Westen wird zwischen drei Kategorien unterschieden, nämlich Stichschutz- und stichhemmenden Westen sowie ballistisch schützende Schutzwesten. Doch worin unterscheiden sie sich?

Stichschutzwesten

Diese Westen sind mit sogenannten Inlays ausgestattet, die den Träger zuverlässig vor dem Durchdringen spitzer und scharfer Gegenstände bei Angriffen schützen. Diese integrierten Schutzplatten sorgen auch bei Schlägen und Tritten für eine merkliche Dämpfung.
Die Stichschutzwesten sind zu 100 Prozent stichsicher. Sie sind als Überzieh- oder Unterziehwesten, sogar als getarnte Variante, beispielsweise als Anzugweste, erwerbbar.

Hinweis: Oftmals werden auch stichhemmende Westen als Stichschutzwesten bezeichnet. Beim Kauf sollte deshalb darauf geachtet werden, welche Schutzeigenschaften das jeweilige Modell besitzt und sich nicht allein auf den Namen verlassen werden.

Stichhemmende Schutzwesten

Auch diese Westen sind aus einem Spezial-Kunstfasergemisch hergestellt. Dieses ist aber nicht so hart wie das Material, welches bei den schützenden Stichschutzwesten verwendet wird.
Die stichhemmenden Westen bieten daher keinen hundertprozentigen Schutz bei Stich-, Schlag- und Hiebangriffen, dämpfen jedoch das Eindringen von spitzen Gegenständen deutlich ab. Da sie leichter als die schützenden Stichschutzwesten sind, sind die stichhemmenden Schutzwesten meist angenehmer zu Tragen. Außerdem können sie unauffällig unter der Berufs- oder Alltagskleidung als Unterziehweste genutzt werden.

Ballistische Stichschutzwesten

Die Aufgabe von ballistischen Schutzwesten ist es eigentlich, vor Schussverletzungen zu schützen. Viele ballistische Schutzwesten besitzen jedoch auch die Eigenschaften von stichhemmenden oder Stichschutzwesten. Um Klarheit zu schaffen, sollte auch hier beim Kauf auf die modellspezifischen Schutzeigenschaften geachtet werden.

 

Aufbau, Konstruktion und Material

Die Schutzwesten werden aus hochwertigen Kunststofffasergemischen hergestellt, etwa aus Aramidfasern, die fest und sehr schwer zu durchstoßen sind. Die Fasern werden auch unter dem namen “Kevlar” gehandelt. Zum Schutz des Rücken- und Brustbereiches gibt es meist Kunststoffplatten, die bei Tritten und Schlägen die Energie des Aufschlags verteilen.

Bei den schützenden Modellen befindet sich im Bauchbereich meist eine Schutzplatte, z.B. aus Aluminium, die eine Penetration durch eine Messerklinge oder andere spitze bzw. scharfe Gegenstände sicher verhindert. Für die Tragehüllen wird in der Regel Nylon verwendet. Um die Westen an den Körper optimal anpassen zu können, sind die meisten Westen mit Klettverschlussstreifen ausgestattet. Da sich die Schutzplatten bei vielen Modellen einfach entfernen und wieder einsetzen lassen, ist eine einfache Reinigung möglich.

Das Gewicht einer derartigen Weste liegt je nach Modell und Größe bei eineinhalb bis fünf Kilogramm. Auf die Qualität lässt das Gewicht jedoch keinen Rückschluss zu. Als Beispiel sind hier Westen aus dem Material Kevlar® zu nennen, die effektiven Schutz bieten und trotzdem leicht sind.

Stichschutzwesten – die Klassifizierungen

Schutzwesten werden in vier Schutzklassen unterteilt, und zwar in K1, K2, K3 und K4.

Die Klasse K1 gewährleistet den geringsten Schutz. Westen, die diese Klassifikation besitzen, halten einer Auftreffenergie von bis zu 25 Joule stand.

K2-klassifizierte Schutzwesten halten Belastungen von bis zu 40 Joule stand. Außerdem ist der Schutz der Klasse K1 gegeben.

Bei Westen der Klasse K3 beträgt die maximale Auftreffenergie 65 Joule. Sie bieten aber auch den Schutz der Klassen K1 und K2. In den meisten Fällen sind Träger von Westen dieser Klassifizierung vor Überraschungsangriffen geschützt.

Die Schutzwesten der Klasse K4 liefern den höchsten Schutz, aber auch den Schutz, der von den untergeordneten Klassen K1 bis K3 geboten wird.

Des Weiteren ist es auch möglich, die schützenden Westen nach ihrem Hauptzweck zu klassifizieren. Hierfür stehen die Schutzklassen K (Klinge), I (Injektionskanüle), D (Dorn) und W (Würfel) zur Verfügung. Da in den K-Klassen der Hauptzweck der Weste dargestellt wird, geben die Hersteller meist nur diese an.

Anwendungsbereiche für Stichschutz- und stichhemmende Westen

Auch Personen, die nicht in dafür typischen Berufen arbeiten, können vom Schutz durch eine Stichschutzweste bzw. einer stichhemmenden Weste profitieren. Sogar Privatpersonen und Geschäftsleute greifen auf diese Möglichkeit zurück. Überwiegend sind die Schutzwesten jedoch bei nachfolgenden Berufsgruppen anzutreffen:

Sicherheitskräfte und Türsteher

Stichschutzwesten werden zum zuverlässigen Selbstschutz während ihrer Diensteinsätze von Polizei- und Justizvollzugsbeamten, Personenschützern, Mitarbeitern privater Sicherheitsdienste getragen. Da es gerade in diesen Bereichen zu Angriffen und Messerattacken kommen kann, ist das Tragen dieser Westen teilweise sogar Pflicht.

Besonders oft werden Türsteher vor Clubs und Diskotheken in Rangeleien verwickelt, bei denen dann plötzlich ein Messer gezogen wird. Auch bei Schlichtungen von Streitigkeiten oder beim Entfernen unerwünschter Gäste können sie Opfer von Angriffen mit spitzen und scharfen Gegenständen werden. Deshalb tragen sie zum Schutz lebenswichtiger Organe oft eine Stichschutzweste.

Rettungskräfte

Obwohl Rettungssanitäter und Notärzte gerufen werden, um Leben zu retten, werden sie des Öfteren mit Gewalt und Angriffen auf ihre Person konfrontiert. Besonders auf Großveranstaltungen, und Demonstrationen sind sie diesen ausgesetzt. Deshalb sollten sie sich mit einer Stichschutzweste, beispielsweise einer leichten Kevlarweste, vor eventuellen Übergriffen schützen. Gleiches gilt auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die bei ihren Einsätzen auch Opfer von Gewalt werden können.

Bus- und Bahnfahrer, Fahrgastkontrolleure und Behördenmitarbeiter

Eine drastische Zunahme an körperlichen Übergriffen auf Mitarbeiter ist auch im Bereich des öffentlichen Dienstes zu erkennen. Deshalb nutzen nicht nur Fahrgastkontrolleure, Bus- und Straßenbahnfahrer Stichschutzwesten, sondern auch Behördenmitarbeiter. Nicht zu vergessen sind die Mitarbeiter der Ordnungsämter und Jobcenter, die des Öfteren schweren Attacken, auch mit Messern und spitzen Gegenständen, ausgesetzt sind. Auch sie entscheiden sich immer öfter für eine schützende oder stichhemmende Weste.

Privatpersonen und Geschäftsleute

Auch viele Privatpersonen und Geschäftsleute, die Angst davor haben, Opfer von Angriffen zu werden, entscheiden sich für das Tragen einer Schutzweste. Ob auf dem Heimweg nach der Arbeit, an der Bushaltestelle oder am Bahnhof: Übergriffe und Messerattacken können überall passieren. Immer mehr Menschen greifen zu Stichschutzwesten, um sich nicht nur vor Verletzungen zu schützen, sondern auch, um ein sicheres Gefühl zu erhalten. Wer unter Umständen schon einmal Opfer von Gewalt wurde, fühlt sich in der Öffentlichkeit meist unsicher und angreifbar. Das Tragen einer Schutzweste kann dabei helfen, sich im Alltag wieder sicher zu fühlen.

Stichschutz- und stichhemmende Westen – die Preise

Auch preislich unterscheiden sich die stichschützenden von den stichhemmenden Schutzwesten. Die Preise für Schutzwesten mit stichhemmender Wirkung, meist Unterziehwesten, beginnen bei circa 80 Euro.

Die Stichschutzwesten, die eine Schutzklasse ausweisen, sind nicht für weniger als 100 Euro erhältlich. Um einen wirksamen Schutz zu erhalten, sollte man derartige Schutzwesten nicht als “Schnäppchen” kaufen.

Kaufkriterien

Auf folgende Punkte sollte bei der Anschaffung einer Stichschutz- bzw. stichhemmenden Weste geachtet werden:

  • die Weste sollte klassifiziert sein;
  • sie sollte nach Einsatzart gewählt werden;
  • die Weste darf die Bewegungsfreiheit nicht einschränken, da sonst die Einsatzbereitschaft gefährdet ist
  • Es sollte bedacht werden, dass eine dünne, leichte stichhemmende Weste nicht die gleiche Schutzwirkung hat, wie eine schwere stichfeste Weste.
  • damit sie passgenau getragen werden kann, sollte die Weste mit Klett- und Reißverschlüssen ausgestattet sein;
  • Unterziehwesten dürfen zwischen Körper und Weste keinen Platz haben;
  • besonders wichtig ist, dass der komplette Bauchraum sowie alle lebenswichtigen Organe beim Stehen sowie beim Sitzen durch die Weste abgedeckt werden.

Wo kann man stichschutz- und stichhemmende Westen erwerben?

Diese Westen werden im Fachhandel für Polizei- und Security-Equipment angeboten, sind aber auch in verschiedenen Onlineshops erhältlich.

Fazit

Stichschützende und stichhemmende Schutzwesten verhindern bei Angriffen das Eindringen eines scharfen oder spitzen Gegenstandes, wie Messerklinge, Injektionskanülen oder Nägeln, in den Körper des Trägers. Tritte oder Hiebe werden dank dieser Westen ebenfalls gedämmt, schusssicher sind sie jedoch nicht. Diese Westen sind je nach Einsatzbereich in vier Schutzklassen klassifiziert. Am häufigsten werden sie bei der Polizei, der Security, bei Türstehern, im Rettungsdienst, sogar im öffentlichen Dienst und bei Privat- und Geschäftsleuten angetroffen. Mit diesen stichschützenden und stichhemmenden Westen ist es möglich, selbstbewusst und schnell bei eventuellen Notfällen eingreifen zu können, ohne dass der Träger Angst haben muss, selbst Stichverletzungen oder Ähnliches zu erleiden.