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Selbstverteidigungskurse – Nutzen und Grenzen realistisch betrachtet

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Großes Angebot und es ist immer noch nicht genug

Viele Menschen sehen sich derzeit nach Selbstverteidigungsseminaren um. Dazu gehören insbesondere immer mehr junge Frauen. Der Trend ist mittlerweile bei den Anbietern angekommen. Aufgrund der steigenden Nachfrage setzen Betreiber von Kampfkunst- und Selbstverteidigungssystemen auf regelmäßig stattfindende Seminare am Wochenende. Aber auch klassische Kampfsportgruppen in Vereinen werben über digitale Medien für Selbstverteidigungskurse, in denen Teile ihres Systems selbstverteidigungsbezogen vermittelt werden soll.
Ist ein Angebot online, ist es oft bereits nach wenigen Tagen ausgebucht. Anbieter von Krav Maga Systemen, einem Selbstverteidigungssystem das aus dem israelischen Militär stammt, berichten sogar davon, dass sämtliche Kurse für Monate ausgebucht seien und dies immer noch nicht genüge.

 

Nicht nur Angst bewegt den Einzelnen zu einem Selbstverteidigungskurs

Um diesen Trend zu erklären, ist eine Betrachtung der Diskussion rund um die Ereignisse des vergangenen Silvesterabends unerlässlich. Niemand möchte Opfer werden, insbesondere nicht Frauen. Dabei existiert Gewaltkriminalität nicht erst seit Silvester 2015. Es ist vielmehr der Einschlag dieses Ereignisses und seine Wirkung auf die Gesellschaft. Andererseits ergibt sich eine gewisse Strömung auch aus den sozialen Netzwerken, die auch von Verbänden von Selbstverteidigungssystemen und Kampfkunstverbänden fleißig zur Werbung genutzt werden. Es ist bedeutend einfacher geworden, eine Vielzahl an potenziellen Kunden anzusprechen. Befragt man heute Schüler in den Verbänden und Vereinen, so bejahen viele, dass sie mit einem Seminar angefangen haben und dann dabei geblieben sind. Dies geschieht aus verschiedenen Gründen. Neben dem Selbstverteidigungsgedanken spielen auch Stressabbau, Selbstdisziplin und allgemeine Sympathie für das Erlernen einer Kampfkunst eine Rolle.

 

Lohnt sich ein Selbstverteidigungskurs?

Ob sich ein Kurs lohnt, hängt zum einen von den eigenen Erwartungen und zum anderen davon ab, an welche Menschen man herankommt.
Bedenkt man die Tatsache, dass die meisten Seminare ein- oder maximal zweitägig sind, so dürfte klar sein, dass diese Zeit nicht ausreicht, um kämpfen zu lernen. Viel mehr ist das als „Appetizer“ anzusehen. Der potenzielle Schüler soll erkennen können, dass er durch das Erlernen einer Kampfkunst oder eines SV-Systems seiner persönlichen Sicherheit viel gutes tun kann. Das Erlernen einer Kampfkunst oder eines solchen Systems ist immer eine Investition in sich selbst. Selbstverteidigung ist nicht nur das Beherrschen von Abwehr- und Folgetechniken mit dem Trainings- oder Sparringspartner. Auch ein wuchtig ausgeführter Fußtritt gegen eine Pratze darf nicht überbewertet werden. Der Mensch als Kämpfer, Selbstverteidiger oder auch als Helfer in der Not braucht Zeit, um solche Fähigkeiten zu entwickeln. Dies ist nur über regelmäßiges und realistisches Training möglich.
Neben den eigenen Erwartungen ist auch entscheidend, was einem versprochen wird. Hier kommt es darauf an, wer hinter so einem Seminar steckt. Mit welchen Werbeaussagen wirbt der Anbieter? Welche Versprechungen werden gemacht? Unseriöse Anbieter gibt es in diesem Feld genauso wie woanders auch. Wer Interessenten vermittelt, sie könnten sich nach einem Kurs gut verteidigen oder ähnliches, sind nicht zu empfehlen. In diesem Zusammenhang lohnt sich auch der Blick auf den Preis. Renommierte Anbieter und Schulen stellen den Kurs in der Ausschreibung vor und teilen mit, wie dieser im Einzelnen aufgebaut ist. Geht es hier nur um ein Sammelsurium von Techniken? Bauen die Techniken aufeinander auf? Wird auch auf sonstige Aspekte zur Selbstverteidigung hingewiesen?
Im Zweifel bei den Ausschreibern anrufen und versuchen einiges zu erfragen. Diese Vorgehensweise erspart einem Enttäuschungen und verhindert Ernüchterungserscheinungen nach einem qualitativ minderwertigen Seminar.

 

Wie finde ich meinen Kurs?

Interessenten kommen meist generell auf das Thema Selbstverteidigung zu sprechen oder hören von bestimmten Kursen in Ihrer Gegend. Bei sportlichen Betätigungen empfiehlt sich ein Kurs bei einem heimatnahen Dienstleister oder Verein. Bei speziellem Interesse kann auch ein regionaler Betreiber in Frage kommen. Die beste Recherchemöglichkeit ist das Internet. Suchbegriffe wie „Selbstverteidigung“ und der eigene Wohnort bringen meist schon gute Ergebnisse.
Eintägige Kurse liegen in aller Regel auf einem Preisniveau zwischen 69,- EUR und 100,- EUR. Mehrtägige oder Wochenendkurse sind meist teurer und belaufen sich im Durchschnitt auf zwischen 250,- EUR und 300,- EUR.
Es gibt Kurse zu allen möglichen Themen. Meist wird ganz allgemein ein Angebot an Techniken und Verhaltensweisen zur Selbstverteidigung in verschiedenen Szenarien vermittelt. Andere Kurse haben rein spezielle Themengebiete, wie beispielsweise Bodenkampf oder Befreiungen aus Würge- und Fesselgriffen. Wiederum andere bauen Selbstverteidigung mit Hilfe von Alltagsgegenständen wie Schal und Kugelschreiber mit ein. Im quantitativen Sektor ist eine gewisse Marktsättigung erreicht.

 

Selbstverteidigung beginnt im Kopf

Machen Sie einen Test und beobachten Sie einmal Menschen, die am Bahnsteig auf die U-Bahn warten. Sie werden rasch merken, dass manche nicht frontal zum Bahnsteig stehen sondern seitlich. Der Grund kann darin liegen, dass viele für sich ein Sicherheitssystem leben. Sie möchten sehen können, was hinter ihnen stattfindet. Jeder kennt die Berichte von Personen die hinterrücks vor die Bahn gestoßen wurden, aus welchem Grund auch immer. Denken Sie an Frauen, die auf dem Weg zum Auto ihre Schlüssel oder auch einen „Palmstick“ in der Hand halten und ihr Parkverhalten auf kurze Wege ausgelegt haben. Kindern und Jugendlichen bringt man bei, Wege nach Hause oder beim abendlichen Ausgang in Gruppen zurück zu legen. All diese Verhaltensweisen sind ein fester Bestandteil der Selbstverteidigung.
Bei der Selbstverteidigung geht es nicht nur um das Beherrschen einer Kampfkunst. Dies kann auch immer nur die Ultima Ratio sein, wenn man in eine üble Situation gerät. Selbst dann ist das keine Garantie für eine erfolgreiche Verteidigung. Es gibt mehrfach graduierte Schwarzgurtträger, technisch hoch austrainiert, die aufgrund eines Schrecks oder Schocks in solchen Situation nicht funktioniert haben.

Selbstverteidigung beginnt im Kopf. Sie beginnt, wenn das eigene Denken und Verhalten angepasst wird.

 

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